09. September 2026
Die fiskalische Bankrotterklärung: Wie die deutsche Liquidsteuer Milliarden vernichtet, den Schwarzmarkt füttert und Existenzen ausradiert
Die deutsche Steuerbürokratie liefert wieder einmal ein Paradebeispiel dafür ab, wie man durch schiere Arroganz und planwirtschaftliche Verblendung einen funktionierenden Markt gegen die Wand fährt. Was sich derzeit rund um die sogenannte Steuer auf Substitute für Tabakwaren abspielt, ist kein bedauerlicher Kollateralschaden mehr. Es ist ein fiskal- und gesundheitspolitischer Offenbarungseid mit Ansage.
Das Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) hat am 7. September 2026 eine Branchenumfrage unter 206 kleinen und mittelständischen Händlern und Herstellern veröffentlicht. Die Datenlage ist ein Schlag ins Gesicht jedes realitätsfernen Bürokraten im Bundesfinanzministerium. Während man in Berlin krampfhaft versucht, Haushaltslöcher zu stopfen, brennt draußen die Hütte lichterloh.
BfTG-Vorsitzender Dustin Dahlmann bringt es auf den Punkt: Höhere Steuersätze führen keineswegs automatisch zu den erträumten Mehreinnahmen. Der legale Handel muss gegenüber unversteuerten Schwarzmarktprodukten wettbewerbsfähig bleiben. Wer die Einnahmen steigern will, muss dafür sorgen, dass der Verkauf im legalen, kontrollierten Markt stattfindet. Doch genau das Gegenteil passiert.
Die 117-Millionen-Euro-Lüge im Bundeshaushalt
Blicken wir auf die nackten Zahlen des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2025. Das Finanzministerium phantasierte im Rahmen des Tabaksteuermodernisierungsgesetzes (TabStMoG) von satten 520 Millionen Euro Steuereinnahmen für das Jahr 2025.
Die Realität? Schmale 403 Millionen Euro.
Eine Differenz von rund 117 Millionen Euro. Ein sattes Minus von 22,5 Prozent gegenüber den bürokratischen Wunschträumen.
Normalerweise müsste so ein Debakel jeden Haushälter wachrütteln. Stattdessen setzt die Politik auf die Flucht nach vorn. Seit Januar 2026 gilt die vierte Stufe: 0,32 Euro pro Milliliter rein an Tabaksteuer. Doch das reicht den Schreibtischstrategen nicht. Im parlamentarischen Raum liegt längst eine Formulierungshilfe auf dem Tisch, die den Steuersatz nicht wie bisher geplant in sanfteren Schritten bis 2030 auf 0,36 Euro heben will, sondern im Eiltempo: 0,35 Euro bereits 2027 und der volle Hammer von 0,36 Euro schon 2028.
Der Untergrund triumphiert: Wenn der Staat zum Schlepper für Kriminelle wird
Die Umfrage des BfTG belegt schonungslos, wohin diese Abzocke führt:
- Schwarzmarkt überrollt das Land: Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe schätzt den Anteil des unregulierten Schwarzmarkts am gesamten deutschen Dampfermarkt mittlerweile auf über 50 Prozent.
- Kundenflucht: 88,8 Prozent der Fachhändler beobachten direkt an der Ladentheke, dass Dampfer wegen der absurden Preise in die Illegalität abwandern. 85,9 Prozent verzeichnen daraus resultierende, drastische Umsatzverluste.
- Zusammenbruch des Jugendschutzes: 79 Prozent der Händler registrieren Verkäufe an Minderjährige durch illegale Händler. Wo der illegale Straßenhandel oder der Verkauf über Messengerkanäle florieren, fragt niemand nach einem Personalausweis.
- Panik vor der nächsten Stufe: Bei einer Anhebung auf 0,36 Euro je Milliliter erwarten 95,6 Prozent der Betriebe eine weitere Zunahme des Schwarzmarktes. 84,5 Prozent gehen von einem starken bis sehr starken Anstieg aus.
Der Staat hat den Schwarzmarkt nicht bekämpft, er hat ihn erschaffen. Wer für einen Liter einfache Basisflüssigkeit oder simple Shots Hunderte Euro an Steuern verlangt, zwingt den mündigen Bürger förmlich dazu, sich woanders umzusehen. Die Quittung zahlt die Allgemeinheit.
Der eigentliche Skandal: Die verheimlichten Folgekosten
Wer nur über die fehlenden 117 Millionen Euro Liquidsteuer debattiert, betreibt Augenwischerei. Das Finanzministerium schaut isoliert auf eine einzige Haushaltszeile und ignoriert den gigantischen Flurschaden im gesamten Gefüge.
Der tatsächliche Steuerausfall ist um ein Vielfaches höher:
1. Entgangene Mehrwertsteuer
Auf die Tabaksteuer schlägt der Staat dreist noch einmal 19 Prozent Umsatzsteuer drauf. Wenn 117 Millionen Euro Liquidsteuer fehlen, fehlen automatisch rund 22 Millionen Euro Mehrwertsteuer allein auf den Steuerbetrag. Rechnet man den eigentlichen Warenwert der weggebrochenen, unzähligen Flaschen und Kanister hinzu, verliert der Fiskus hier Jahr für Jahr weitere 40 bis 50 Millionen Euro.
2. Gewerbesteuereinbruch in den Kommunen
78,1 Prozent der Unternehmen melden zusammengeschmolzene Margen. 67,8 Prozent klagen über rapide sinkende Kundenzahlen. Wo keine Gewinne erwirtschaftet werden, fließt kein Cent Gewerbesteuer. Den Städten und Gemeinden entgehen Millionen an Einnahmen für Schwimmbäder, Straßen und Schulen.
3. Insolvenzen statt Körperschaft- und Einkommensteuer
Hunderte Einzelhändler und einst florierende Liquidhersteller schreiben tiefrote Zahlen oder haben den Gang zum Insolvenzrichter hinter sich. Verlustvorträge drücken die Steuerlast der Überlebenden auf null. Dem Staat entgehen enorme Summen an Körperschaft- und Einkommensteuer.
4. Das Drama um tausende Arbeitsplätze
Vor dem Steuerwahnsinn beschäftigte die Branche in Deutschland rund 15.000 Menschen. Schätzungen und Branchenberichte zeigen: Zwischen 3.000 und 4.000 Arbeitsplätze wurden seit Juli 2022 im legalen Markt bereits vernichtet.
Über 600 Fachgeschäfte mussten bundesweit für immer zusperren. 35,1 Prozent der verbliebenen Unternehmen haben laut BfTG bereits aktiv Personal abgebaut. Sollte die Steuererhöhung auf 0,36 Euro vorgezogen werden, rechnen weitere 42,4 Prozent der Betriebe mit Entlassungen.
Jeder entlassene Mitarbeiter bedeutet: Wegfallende Lohnsteuer, fehlende Sozialversicherungsbeiträge und stattdessen staatliche Ausgaben für Arbeitslosengeld und Bürgergeld.
Zählt man diese verdeckten Schäden ehrlich zusammen, beläuft sich das reale Minus für die deutschen Steuerkassen nicht auf 117 Millionen Euro, sondern auf über 250 Millionen Euro pro Jahr.
Harm Reduction mit Füßen getreten
Hinter diesen Zahlen stehen menschliche Schicksale.
Ehemalige Raucher, die mit dem Dampfen endlich den Absprung von der tödlichen Tabakzigarette geschafft hatten, kehren aus Verzweiflung zur Verbrennung zurück, weil die Kippe an der Tankstelle plötzlich wieder billiger erscheint als der Besuch im Fachgeschäft. Andere decken sich mit dubiosen Mischungen aus Telegram-Gruppen ein, ohne jede Qualitätskontrolle, ohne Beipackzettel, ohne Inhaltsstoffprüfung.
Anstatt Tobacco Harm Reduction als das mächtigste Werkzeug gegen das Rauchen anzuerkennen, wie es Länder wie Großbritannien oder Schweden seit Jahren erfolgreich vorleben, betreibt die Bundespolitik wirtschaftliche und gesundheitliche Sabotage.
Das BfTG fordert zurecht Augenmaß. Es geht nicht darum, sich vor Steuern zu drücken. Es geht um Verhältnismäßigkeit. Ein Steuersatz, der den legalen Mittelstand stranguliert und kriminelle Netzwerke mästet, gehört nicht verschärft. Er gehört radikal korrigiert.
Wer jetzt im Gesetzgebungsverfahren für eine vorzeitige Erhöhung auf 0,36 Euro stimmt, besiegelt das Ende des inhabergeführten Fachhandels in Deutschland. Die Verantwortung dafür tragen die Politiker, die bis heute nicht begriffen haben, dass Konsumenten Beine haben und sich Willkür nicht ewig bieten lassen.